High Court Klage in London — Die geschädigte Partei vs. Fintery Ltd, Krüger and Others
Parallel zur Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg wurde auch eine Zivilklage vor dem High Court of England and Wales eingereicht. Diese Klage richtet sich gegen Fintery Ltd, Florian Krüger, David Rehnström und UNYTED Ltd. Sie wird vertreten durch die renommierte London-Kanzlei Clintons Solicitors.
High Court Klage Übersicht
- Gericht:
- High Court of England and Wales
- Kläger-Anwalt:
- Clintons Solicitors, London
- Beklagte:
- Fintery Ltd, Florian Krüger, David Rehnström, UNYTED Ltd
- Klagegegenstand:
- Fraud, Breach of Contract, Conspiracy
- Claim Amount:
- €215.400 + Zinsen + Kosten
- Statutory Demand:
- 3. Juni 2025
- Letter Before Action:
- 7. Juli 2025
- Particulars of Claim (v2):
- 20. August 2025
Die englische Jurisdiktion: Warum London?
Eine berechtigte Frage ist: Warum wird eine deutsche Investor die Klage in England einreichen? Die Antwort liegt in der Struktur des Betrugsnetzwerks:
Fintery Ltd — English Company
Fintery Ltd ist als englische Gesellschaft registriert. Die Registrierungsnummer ist im Companies House nachverfolgbar. Dies bedeutet, dass das Unternehmen der englischen Rechtsprechung unterliegt und englische Gerichte zuständig sind.
Die Bankkonten in UK
Die Investitionen wurden auf ein britisches Bankkonto überwiesen. Dies ist ein weiterer Grund für englische Zuständigkeit — die Schuld entstand in England, und die Mittel sind/waren in England.
UNYTED Ltd — Auch in England
UNYTED Ltd ist ebenfalls als englische Gesellschaft registriert. Dies macht England zur natürlichen Jurisdiktion für die Klage.
Internationale Best Practice
In Betrugsfällen mit internationalen Dimensionen ist es oft strategisch sinnvoll, an mehreren Jurisdiktionen zu klagen:
- Deutscher Weg: Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg (Kriminalrecht)
- Englischer Weg: Zivilklage vor dem High Court (Schadensersatz)
- Parallel-Verfolgung: Beide Verfahren können parallel laufen und sich gegenseitig verstärken
Die Statutory Demand (3. Juni 2025)
Eine Statutory Demand ist ein formales englisches Rechtsinstrument, das einer Schuld innerhalb von 21 Tagen fordert. Die Statutory Demand wurde am 3. Juni 2025 ausgegeben.
Inhalt der Statutory Demand
Die Statutory Demand forderte Fintery Ltd und die persönlichen Beklagten auf, €215.400 plus Zinsen innerhalb von 21 Tagen zu zahlen. Die Begründung basierte auf:
- Bruch des Investitionsvertrags
- Nicht-Lieferung der versprochenen Dienstleistungen (DEXPO Platform, UNYTED Token-Services)
- Unlauterer Wettbewerb und Betrug
- Unjust Enrichment (ungerechtfertigte Bereicherung)
Reaktion der Beklagten
Die Statutory Demand wurde nicht bezahlt. Dies war auch nicht überraschend, da ein echtes Geschäftsprojekt mit echtem Mittelfluss nicht existiert. Die Nicht-Zahlung führte zum nächsten Schritt: Die Letter Before Action.
Formale Aufforderung zur Zahlung von €215.400 an Fintery Ltd, Krüger und Rehnström. 21-Tage Frist.
Nach Ablauf der 21-Tage-Frist wird kein Zahlungseingang registriert.
Letter Before Action (7. Juli 2025)
Die Letter Before Action ist ein weiteres formales englisches Rechtsinstrument. Sie ist eine letzte Aufforderung, vor der Klage eingereicht wird, um dem Gegner eine Möglichkeit zu geben, die Sache außergerichtlich zu regeln.
Inhalt des Letters
Das Brief von Clintons Solicitors vom 7. Juli 2025 legte dar:
- Ein detaillierter chronologischer Bericht über alle Transaktionen
- Die spezifischen Versprechen, die gegeben wurden
- Die Nicht-Erfüllung dieser Versprechen
- Die Schadensersatzforderung: €215.400 plus Zinsen
- Eine Frist (typischerweise 14-28 Tage) zum Antworten
Grundlagen des Betrugsanspruchs
Das Letter rechnete vor, dass die folgenden Elemente von Betrug (Fraud) erfüllt sind:
- Misrepresentation: Falsche Behauptungen über die Existenz und Fähigkeiten des Fintery-Teams
- Knowledge or Recklessness: Die Beklagten wussten oder waren rücksichtslos ignorant gegenüber der Falschheit
- Intent to Induce: Die Absicht war, die geschädigte Partei zu täuschen und zu investieren
- Reliance: Die geschädigte Partei vertraute auf diese Behauptungen
- Damage: Ein Schaden von €215.400 entstand
Clintons Solicitors schreiben formal zu Fintery Ltd, Krüger und Rehnström, mit Aufforderung zu antworten oder zu zahlen. Frist: 28 Tage.
Particulars of Claim (20. August 2025, v2)
Nach Ablauf der Frist ohne befriedigende Antwort wurde die formale Klage eingereicht. Die „Particulars of Claim" ist das englische Äquivalent zur deutschen Klagegegenstandsbeschreibung.
Struktur der Klage
Die Klage (Particulars of Claim v2) war strukturiert wie folgt:
- Parteibezeichnung: Kläger (die geschädigte Partei) vs. Beklagte (Fintery Ltd, Krüger, Rehnström, UNYTED Ltd)
- Narrativ: Ein detaillierter Bericht über alle Ereignisse von Oktober 2024 bis März 2025
- Anspruchsgrundlagen: Fraud, Breach of Contract, Conspiracy, Unjust Enrichment
- Quantifizierung: Berechnung des Schadens: €215.400 Kapital + Zinsen (typischerweise 5-8% p.a.) + Kosten
Behauptete Anspruchsgrundlagen
Die Beklagten täuschten die Kläger durch falsche Angaben über die Existenz und Qualifikationen eines Fintech-Teams, die Existenz der DEXPO-Plattform, und die Realität der geschäftlichen Pläne. Dies war bewusster Betrug, nicht Fahrlässigkeit.
Ein Investitionsvertrag war unterzeichnet. Die Beklagten verpflichteten sich, DEXPO-Plattformfunktionalitäten zu liefern und die Mittel für das UNYTED Token-Projekt zu verwenden. Diese Verpflichtungen wurden nicht erfüllt.
Mehrere Beklagte (Krüger, Rehnström, möglicherweise auch Guido Abraham und andere) arbeiteten zusammen, um die Kläger zu täuschen. Dies ist ein kombinierter Tort (Delikt), der zusätzliche Schadensersatzansprüche einleitet.
Version 2 der Klage
Die Klage war in der Version 2 gereift. Version 1 (August 2025) war möglicherweise zu breit oder zu unklar. Version 2 konzentrierte sich auf die kernhaftesten Argumente und war präziser in der Quantifizierung.
Formale Klage vor dem High Court. Beklagte haben jetzt 28 Tage, um zu antworten.
Die Rechtsgrundlagen des englischen Fraud
Der englische Betrug (Fraud) unterscheidet sich vom deutschen Betrug. Unter English Common Law sind die Anforderungen:
| Element | Anforderung |
|---|---|
| False Representation | Eine Aussage muss falsch sein. Stille auch kann Betrug sein (nondisclosure). |
| Knowledge/Recklessness | Der Betrüger muss wissen oder rücksichtslos ignorant sein, dass die Aussage falsch ist. |
| Intent to Induce | Die Absicht muss sein, das Opfer zu täuschen und zum Handeln zu bewegen. |
| Reliance | Das Opfer muss auf die Aussage vertraut haben. |
| Causation | Die Täuschung muss zum Schaden führen. |
| Quantifiable Loss | Der Schaden muss bezifferbar sein (€215.400). |
Alle diese Elemente sind in dem Fintery-Fall dokumentiert und nachweisbar.
Status des Verfahrens und erwartete Schritte
Aktuelle Situation (September 2025)
Die Klage wurde eingereicht und die Beklagten haben gerichtliche Frist-Fristen zur Antwort. Die erwarteten nächsten Schritte sind:
- Defence (Gegenbehauptung): Die Beklagten müssen antworten, ob sie den Anspruch bestreiten oder zugeben
- Discovery: Beide Seiten müssen relevante Dokumente offenlegen (Emails, Verträge, etc.)
- Summary Judgment: Der Kläger könnte antragen, dass die Klage sofort (ohne Verhandlung) gewonnen wird, wenn die Beweise so stark sind
- Trial: Falls kein Vergleich geschlossen wird, kommt es zu einer Verhandlung vor einem Judge
Mögliche Outcomes
Der High Court spricht der Klägerin €215.400 plus Zinsen und Kosten zu. Dies ist wahrscheinlich, da die Beweise stark sind. Execution (Vollstreckung) kann dann gegen Fintery Ltd Konten erfolgen.
Bevor die Verhandlung stattfindet, einigen sich die Parteien auf einen Vergleich. Dies ist üblich und würde oft weniger als 100% der Forderung bedeuten.
Die Beklagten ignorieren die Klage und erscheinen nicht zum Gericht. Der High Court kann dann einen „Default Judgment" sprechen (automatische Verurteilung wegen Nicht-Erscheinen).
Die Verbindung zwischen Straf- und Zivilverfahren
Die parallele Verfolgung in beiden Jurisdiktionen hat strategische Vorteile:
- Dokumentation verstärkt sich: Beweise aus dem Strafverfahren können im Zivilverfahren verwendet werden
- Öffentliche Aufmerksamkeit: Das Zivilverfahren wird öffentlich; dies erzeugt Druck auf die Beklagten
- Mehrfache Wege zum Erfolg: Selbst wenn das Strafverfahren fehlschlägt, kann das Zivilverfahren gewinnen (niedrigere Beweise-Standards: „Balance of Probabilities" vs. „Beyond Reasonable Doubt")
- Wiederherstellung: Das Zivilverfahren konzentriert sich auf Schadensersatz; das Strafverfahren auf Strafe
Kosten und Finanzierung der Klage
High Court Klagen in London sind teuer. Typischerweise kosten sie €50,000–€200,000+, abhängig von Komplexität und Dauer. Die Finanzierung solcher Klagen erfolgt oft durch:
- Eigenmittel des Klägers: Die geschädigte Partei investiert in die Klage
- Contingency Arrangements: Anwälte arbeiten für einen Prozentsatz des Gewinns
- Litigation Funding: Dritte finanzieren die Klage gegen einen Anteil des Gewinns
- After-the-Fact Insurance: Versicherer übernehmen Kosten im Falle von Niederlage
In diesem Fall wird es erwartet, dass die geschädigte Partei Clintons Solicitors auf Basis eines Kontigency-Arrangements engagiert hat (zahle nur bei Erfolg).
Eine Klage vor dem High Court ist kein schnelles oder einfaches Verfahren. Sie kann 2-4 Jahre dauern. Aber sobald eine Verurteilung erlangt ist, kann diese weltweit vollstreckt werden — insbesondere gegen englische und europäische Vermögenswerte.
Prognose und Implikationen
Die Chancen der Klägerin sind stark. Der High Court wird wahrscheinlich erkennen:
- Die Beweise für Fraud sind überzeugend (gefälschte Team-Profile, nicht gelieferte Projekte)
- Die Beklagten haben keine glaubwürdige Verteidigung angeboten (nur Stalling)
- Die Schadensquantifizierung ist einfach (€215.400 Investition + dokumentierbare Zinsen)
- Die englische Jurisdiktion ist korrekt (Fintery Ltd sitzt in England)
Eine Verurteilung würde nicht nur der Klägerin dienen, sondern auch anderen potenziellen Opfern von Krüger, Rehnström und ihren Netzwerken ein Signal senden.
Weiterführende Artikel
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