High Court Klage in London — Die geschädigte Partei vs. Fintery Ltd, Krüger and Others

Veröffentlicht: 25. September 2025 | Kategorie: Rechtliche Schritte | Lesezeit: 14 Minuten

Parallel zur Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg wurde auch eine Zivilklage vor dem High Court of England and Wales eingereicht. Diese Klage richtet sich gegen Fintery Ltd, Florian Krüger, David Rehnström und UNYTED Ltd. Sie wird vertreten durch die renommierte London-Kanzlei Clintons Solicitors.

High Court Klage Übersicht

Gericht:
High Court of England and Wales
Kläger-Anwalt:
Clintons Solicitors, London
Beklagte:
Fintery Ltd, Florian Krüger, David Rehnström, UNYTED Ltd
Klagegegenstand:
Fraud, Breach of Contract, Conspiracy
Claim Amount:
€215.400 + Zinsen + Kosten
Statutory Demand:
3. Juni 2025
Letter Before Action:
7. Juli 2025
Particulars of Claim (v2):
20. August 2025

Die englische Jurisdiktion: Warum London?

Eine berechtigte Frage ist: Warum wird eine deutsche Investor die Klage in England einreichen? Die Antwort liegt in der Struktur des Betrugsnetzwerks:

Fintery Ltd — English Company

Fintery Ltd ist als englische Gesellschaft registriert. Die Registrierungsnummer ist im Companies House nachverfolgbar. Dies bedeutet, dass das Unternehmen der englischen Rechtsprechung unterliegt und englische Gerichte zuständig sind.

Die Bankkonten in UK

Die Investitionen wurden auf ein britisches Bankkonto überwiesen. Dies ist ein weiterer Grund für englische Zuständigkeit — die Schuld entstand in England, und die Mittel sind/waren in England.

UNYTED Ltd — Auch in England

UNYTED Ltd ist ebenfalls als englische Gesellschaft registriert. Dies macht England zur natürlichen Jurisdiktion für die Klage.

Internationale Best Practice

In Betrugsfällen mit internationalen Dimensionen ist es oft strategisch sinnvoll, an mehreren Jurisdiktionen zu klagen:

Die Statutory Demand (3. Juni 2025)

Eine Statutory Demand ist ein formales englisches Rechtsinstrument, das einer Schuld innerhalb von 21 Tagen fordert. Die Statutory Demand wurde am 3. Juni 2025 ausgegeben.

Inhalt der Statutory Demand

Die Statutory Demand forderte Fintery Ltd und die persönlichen Beklagten auf, €215.400 plus Zinsen innerhalb von 21 Tagen zu zahlen. Die Begründung basierte auf:

Reaktion der Beklagten

Die Statutory Demand wurde nicht bezahlt. Dies war auch nicht überraschend, da ein echtes Geschäftsprojekt mit echtem Mittelfluss nicht existiert. Die Nicht-Zahlung führte zum nächsten Schritt: Die Letter Before Action.

3. Juni 2025
Statutory Demand ausgegeben

Formale Aufforderung zur Zahlung von €215.400 an Fintery Ltd, Krüger und Rehnström. 21-Tage Frist.

24. Juni 2025
Keine Zahlung eingegangen

Nach Ablauf der 21-Tage-Frist wird kein Zahlungseingang registriert.

Letter Before Action (7. Juli 2025)

Die Letter Before Action ist ein weiteres formales englisches Rechtsinstrument. Sie ist eine letzte Aufforderung, vor der Klage eingereicht wird, um dem Gegner eine Möglichkeit zu geben, die Sache außergerichtlich zu regeln.

Inhalt des Letters

Das Brief von Clintons Solicitors vom 7. Juli 2025 legte dar:

Grundlagen des Betrugsanspruchs

Das Letter rechnete vor, dass die folgenden Elemente von Betrug (Fraud) erfüllt sind:

  1. Misrepresentation: Falsche Behauptungen über die Existenz und Fähigkeiten des Fintery-Teams
  2. Knowledge or Recklessness: Die Beklagten wussten oder waren rücksichtslos ignorant gegenüber der Falschheit
  3. Intent to Induce: Die Absicht war, die geschädigte Partei zu täuschen und zu investieren
  4. Reliance: Die geschädigte Partei vertraute auf diese Behauptungen
  5. Damage: Ein Schaden von €215.400 entstand
7. Juli 2025
Letter Before Action

Clintons Solicitors schreiben formal zu Fintery Ltd, Krüger und Rehnström, mit Aufforderung zu antworten oder zu zahlen. Frist: 28 Tage.

Particulars of Claim (20. August 2025, v2)

Nach Ablauf der Frist ohne befriedigende Antwort wurde die formale Klage eingereicht. Die „Particulars of Claim" ist das englische Äquivalent zur deutschen Klagegegenstandsbeschreibung.

Struktur der Klage

Die Klage (Particulars of Claim v2) war strukturiert wie folgt:

Behauptete Anspruchsgrundlagen

ANSPRUCH 1: FRAUD
Die Beklagten täuschten die Kläger durch falsche Angaben über die Existenz und Qualifikationen eines Fintech-Teams, die Existenz der DEXPO-Plattform, und die Realität der geschäftlichen Pläne. Dies war bewusster Betrug, nicht Fahrlässigkeit.
Particulars of Claim, Abschnitte 12-28
ANSPRUCH 2: BREACH OF CONTRACT
Ein Investitionsvertrag war unterzeichnet. Die Beklagten verpflichteten sich, DEXPO-Plattformfunktionalitäten zu liefern und die Mittel für das UNYTED Token-Projekt zu verwenden. Diese Verpflichtungen wurden nicht erfüllt.
Particulars of Claim, Abschnitte 29-35
ANSPRUCH 3: CONSPIRACY
Mehrere Beklagte (Krüger, Rehnström, möglicherweise auch Guido Abraham und andere) arbeiteten zusammen, um die Kläger zu täuschen. Dies ist ein kombinierter Tort (Delikt), der zusätzliche Schadensersatzansprüche einleitet.
Particulars of Claim, Abschnitte 36-41

Version 2 der Klage

Die Klage war in der Version 2 gereift. Version 1 (August 2025) war möglicherweise zu breit oder zu unklar. Version 2 konzentrierte sich auf die kernhaftesten Argumente und war präziser in der Quantifizierung.

20. August 2025
Particulars of Claim v2 eingereicht

Formale Klage vor dem High Court. Beklagte haben jetzt 28 Tage, um zu antworten.

Die Rechtsgrundlagen des englischen Fraud

Der englische Betrug (Fraud) unterscheidet sich vom deutschen Betrug. Unter English Common Law sind die Anforderungen:

Element Anforderung
False Representation Eine Aussage muss falsch sein. Stille auch kann Betrug sein (nondisclosure).
Knowledge/Recklessness Der Betrüger muss wissen oder rücksichtslos ignorant sein, dass die Aussage falsch ist.
Intent to Induce Die Absicht muss sein, das Opfer zu täuschen und zum Handeln zu bewegen.
Reliance Das Opfer muss auf die Aussage vertraut haben.
Causation Die Täuschung muss zum Schaden führen.
Quantifiable Loss Der Schaden muss bezifferbar sein (€215.400).

Alle diese Elemente sind in dem Fintery-Fall dokumentiert und nachweisbar.

Status des Verfahrens und erwartete Schritte

Aktuelle Situation (September 2025)

Die Klage wurde eingereicht und die Beklagten haben gerichtliche Frist-Fristen zur Antwort. Die erwarteten nächsten Schritte sind:

Mögliche Outcomes

SZENARIO 1: KLÄGER GEWINNT
Der High Court spricht der Klägerin €215.400 plus Zinsen und Kosten zu. Dies ist wahrscheinlich, da die Beweise stark sind. Execution (Vollstreckung) kann dann gegen Fintery Ltd Konten erfolgen.
Best-case Szenario
SZENARIO 2: VERGLEICH
Bevor die Verhandlung stattfindet, einigen sich die Parteien auf einen Vergleich. Dies ist üblich und würde oft weniger als 100% der Forderung bedeuten.
Realistic Szenario
SZENARIO 3: BEKLAGTER IGNORIERT
Die Beklagten ignorieren die Klage und erscheinen nicht zum Gericht. Der High Court kann dann einen „Default Judgment" sprechen (automatische Verurteilung wegen Nicht-Erscheinen).
Auch möglich angesichts der Beweisvereitelung

Die Verbindung zwischen Straf- und Zivilverfahren

Die parallele Verfolgung in beiden Jurisdiktionen hat strategische Vorteile:

Kosten und Finanzierung der Klage

High Court Klagen in London sind teuer. Typischerweise kosten sie €50,000–€200,000+, abhängig von Komplexität und Dauer. Die Finanzierung solcher Klagen erfolgt oft durch:

In diesem Fall wird es erwartet, dass die geschädigte Partei Clintons Solicitors auf Basis eines Kontigency-Arrangements engagiert hat (zahle nur bei Erfolg).

WICHTIG

Eine Klage vor dem High Court ist kein schnelles oder einfaches Verfahren. Sie kann 2-4 Jahre dauern. Aber sobald eine Verurteilung erlangt ist, kann diese weltweit vollstreckt werden — insbesondere gegen englische und europäische Vermögenswerte.

Prognose und Implikationen

Die Chancen der Klägerin sind stark. Der High Court wird wahrscheinlich erkennen:

  1. Die Beweise für Fraud sind überzeugend (gefälschte Team-Profile, nicht gelieferte Projekte)
  2. Die Beklagten haben keine glaubwürdige Verteidigung angeboten (nur Stalling)
  3. Die Schadensquantifizierung ist einfach (€215.400 Investition + dokumentierbare Zinsen)
  4. Die englische Jurisdiktion ist korrekt (Fintery Ltd sitzt in England)

Eine Verurteilung würde nicht nur der Klägerin dienen, sondern auch anderen potenziellen Opfern von Krüger, Rehnström und ihren Netzwerken ein Signal senden.

Haben Sie weitere Informationen zu diesem Fall?

Falls Sie Dokumente, Beweise oder Erfahrungen mit Fintery, UNYTED oder den beteiligten Personen haben, können Sie diese an das Klageteam weitergeben.

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